Psychologie

Cognitive Bias – warum wir denken, wie wir denken.

By 13. Januar 2021Januar 17th, 2021No Comments

Hast du dich schon einmal gefragt, ob dein Denken und Handeln einem bestimmten Schema folgt? Spoilerwarnung: Wir alle sind gar nicht so einzigartig wir wir oft meinen. Jedes Mal, wenn wir mit einem Produkt, einer Person oder einer Marke interagieren, handeln wir nach einem bestimmten Programm; einer bestimmten Verhaltensweise. Im Groben geht das so: Wir (1) empfangenen Informationsreize, die wir aufnehmen, (2) filtern sie nach Relevanz , (3) suchen nach der Bedeutung dahinter, (4) handeln nach einer entsprechenden Zeit darauf und (5) speichern Bruchstücke der Interaktion in unserem Gedächtnis ab.

Spannend, oder? Doch nicht nur für uns – deren Profession es ist, Marken zu beraten, zu gestalten und zu transformieren – ist dies besonders interessant. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Beobachtungen führten über die Jahre zu einer ganzen Reihe von »Gesetzen«, die dabei helfen sollen, schlechte von guten Lösungen zu unterschieden sowie Design von (digitalen) Produkten, Benutzeroberflächen oder Websites systematischer zu entwickeln. Die aus unserer Sicht Relevantesten haben wir für dich einmal zusammengefasst.

Hick'sches Gesetz

Mehr Optionen führen zu schwierigeren Entscheidungen.

Hick’s Law sagt voraus, dass die Zeit und der Aufwand für eine Entscheidung mit der Anzahl der Optionen zunimmt. Je mehr Auswahlmöglichkeiten vorhanden sind, desto mehr Zeit benötigen Benutzer, um ihre Entscheidungen zu treffen.

Quelle: Design principle: Hick’s Law — quick decision making, Anton Nikolov (2017)

Bestätigungs­verzerrung

Menschen glauben vor allem das, was sie glauben wollen.

Menschen neigen dazu, Informationen auf eine Weise zu suchen, zu interpretieren oder zu bevorzugen, die ihre persönlichen Überzeugungen oder Hypothesen stärkt.

Quelle: Why you think you’re right – even if you’re wrong, Julia Galef (2016)

Ankereffekt

Der erste Eindruck beeinflusst uns oft stärker als die darauf folgenden.

Der Anker-Effekt besagt, dass wir dazu neigen, uns an den ersten Teil einer Information zu klammern und unsere anschließenden Handlungen wie Einschätzungen, Argumente und Schlussfolgerungen danach richten.

Quelle: Not all anchors are created equal, Journal of Economic Psychology (2013)

Nudging (Stupsen)

Subtilste Hinweise haben Einfluss auf die Entscheidung der Nutzer.

Menschen neigen dazu, unbewusst Entscheidungen zu treffen. Kleine Hinweise oder Kontextänderungen können Benutzer dazu ermutigen, eine bestimmte Entscheidung zu treffen, ohne sie dazu zu drängen.

Quelle: 10 Examples of Nudge Theory, Skip Prichard (2020)

Erwartungs­theorie

Verluste kümmern uns stärker als gleichwertige Gewinne.

Die Prospekt-Theorie besagt, dass ein Verlust mehr schmerzt als ein gleicher Gewinn. Mit anderen Worten, der Verlust von 1.000€ »schadet« mehr als die Freude, 1.000€ zu gewinnen – obwohl das Ergebnis das selbe wäre.

Quelle: Prospekt-Theorie, Wikipedia (2020)

Weber’sches Gesetz

Menschen gewöhnen sich leichter an inkrementelle Veränderungen.

Kleinere, stufenweise Veränderungen in der Gestaltung machen es Nutzern leichter, diese zu akzeptieren. Die subjektiv empfundene Stärke von Veränderung ist demnach immer vom Ausgangsreiz abhängig.

Quelle: Weber-Fechner-Gesetz, Markus Antonius Wirtz (2020)

Planungs­fehlschluss

Menschen tendieren dazu, den Zeitaufwand einer Aufgabe zu unterschätzen.

Menschen neigen dazu, Zeit, Risiken und Kosten von Aufgaben zu unterschätzen, obwohl sie bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Aufgaben in der Vergangenheit sammeln konnten.

Quelle: Why do we underestimate how long it will take to complete a task?, The Decision Lab (2020)

Google Effekt

Das Internet lässt uns Dinge schneller wieder vergessen.

Der Google-Effekt (oder digitale Amnesie) besagt, dass wir Informationen leichter vergessen, auf die wir jederzeit problemlos online zugreifen können. Dies umfasst allgemeines Wissen sowie Notizen, Kontaktnummern oder Fotos auf dem Smartphone.

Quelle: Google is changing your brain, study says, and don’t you forget it, Lisa Krieger (2011)

Halo Effekt

Unternehmen die Gutes tun, profitieren auch wirtschaftlich davon.

Wir betrachten die soziale Verantwortung von Unternehmen als gut, daher sind wir der Ansicht, dass die von diesem Unternehmen verkauften Waren und Dienstleistungen von guter Qualität sein müssen.

Quelle: Why do we tend to favor brands that show care for societal issues?, The Decision Lab (2020)

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